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Fachschaft Mathematik/Informatik

Erstsemesterbericht aus dem Wintersemester 2011/2012

Es ist kurz vor Weihnachten, 2/3 unseres ersten Semesters sind bereits vorbei und die beiden ersten freien Wochen stehen vor der Tür. Mittlerweile sind 3 Monate vergangen, seit wir das erste Mal die Uni betreten und uns kennen gelernt haben. Doch was hat uns in diese Menschenmenge von Neuankömmlingen getrieben?

Nach 10 Jahren arbeitend in der IT-Branche - unter anderem beim ehemals größtem Internet-Portal Europas (R.I.P.) aus Gütersloh und beim größten Hostinganbieter der Welt (nach eigenen Angaben) - ergab sich eine Situation (kein aktuelles Engagement), die ein Studium sehr interessant machte. Nach diesen 10 Jahren auf der dunklen Seite (Kaufmann) kam nur ein Studienfach in Frage: I N F O R M A T I K.

Nach einem eher mittelmäßigem Abitur, das parallel zu einer Erzieherausbildung abgeschlossen wurde, der Erkenntnis, dass ich aus verschiedenen Gründen nicht bis ans Ende meines Lebens in dem sozialen Sektor verbringen wollte und freiwillig verlängertem Zivildienst um eine finanzielle Grundlage für ein fundiertes Studium zu schaffen, führte mich die Studienplatzsuche letztendlich in die I N F O R M A T I K, einem meiner großen Interessensgebiete.
 

Aufgrund der Nähe und guten Anbindung zum Heimatort, dem guten Ruf der Universität und nicht zuletzt der Zulassungsfreiheit landeten wir beide voller Hoffnungen und Vorfreude hier in Paderborn.

Doch die erste Enttäuschung wartete schon im Audimax: Die Erstie-Tüte. Die Sponsorenlage an der Uni-PB sieht nicht so gut aus: ein paar O2-Werbeartikel, ein Energy-Drink - war überhaupt was zu essen drin? Wegen Überfüllung des Audimax haben noch nicht mal alle Anfänger eine Tüte abbekommen - wer auf der Treppe sitzen durfte oder gar keinen Platz mehr im Audimax gefunden hatte und die Reden nur über die Lautsprecher im Vorraum mitbekommen durfte, musste auf die Erstie-Tüte verzichten. Zumindest mit Informationen war die Versorgungslage gut. Das Ei half gut über die ersten Anlaufschwierigkeiten hinweg.

Bei dem anschließenden Erkundungsgang mit den Teamern zeigte sich auch gleich die architektonische Schönheit der Uni Paderborn als Gesamtkunstwerk. Auf den ersten und auch zweiten Eindruck wirr in die Etagen eingestreute Treppenhäuser mit abstrakter Anordnung der Auf- und Abgänge, Fluren, die auf surrealistische Weise dem überforderten Erstie-Gehirn die Abzählbarkeit unendlicher Zahlenräume verdeutlichen, sich plötzlich öffnende Sichten auf entkernte Etagen als Symbol der Vergänglichkeit aller Dinge und übermäßigem Treppensteigen (an das wir uns alsbald gewöhnen sollten)...
Das nächste Highlight war Teil der Uni-Führung: das Anlegen des IMT-Accounts. Gefühlte 50 Ersties warteten auf DIE Gelegenheit, DEN IMT-Rechner zu bedienen. Dieser ruhige Abschnitt ist elementar wichtig zum Aufbau erster sozialer Kontakte zwischen den schüchternen und zurückhaltenden Neu-Studenten (schließlich müssen irgendwo die Vorurteile über Informatiker erfüllt werden) und sollte auch in den nächsten Jahren beibehalten werden. Unbedingt. Es war eine schöne Stunde.
Zu diesem Zeitpunkt als noch Außenstehender bezüglich der Sitten und Gebräuche der alteingesessenen Unianern verwirrte auch die Vielfalt der Uni-Systeme von denen man schon in dieser Stunde sozialen Miteinanders zu hören bekam: IMT, Paul, Koala, LSF - nach Hörensagen soll es noch viel mehr geben... Das ist gelebte Pluralität. Gerüchteweise soll Paul einige dieser Systeme assimilieren - obwohl dieses mit einem trockenen Lachen der Bestandsstudenten kommentiert wurde. Leider ist für uns zu diesem Zeitpunkt noch nicht ersichtlich, inwiefern Paul seine Aufgabe erfüllen können wird, und wir vermuten das dies bisher auch noch keiner weiß.

Das wichtigste der O-Woche - ohne jede Ironie - war aber DIE Fachschaft. Die O-Woche fällt schließlich nicht vom Himmel sondern wurde von DER Fachschaft organisiert und durchgeführt. Auch nach der O-Phase entwickelte sie sich zum wichtigsten Anlaufpunkt bei allen Problemen, sei es Befriedigung der Kaffeesucht, ein aufmunterndes Gespräch, PC-Support, Hilfe bei den Übungsaufgaben, Metainformationen über Veranstaltungen, kennenlernen von anderen Ersties aber auch gestandener 5. Semester (die man dann auch in Analysis für Informatiker wiedertrifft) oder einfach nur groben Orientierungsproblemen. Auch erlebt man die Fachschaft “bei der Arbeit” und erkennt so vollkommen neue Bedeutungen des Wortes “Arbeit”.

Mit aufkommen eines “Studentenlebens” im 1. Semester fällt eines sofort auf: Paderborn ist eine eher regional geprägte Universität, viele Kommilitonen kommen morgens von “zu Hause” und fahren wieder “nach Hause”. Der überwiegende Teil der Mitstudenten scheint nach erstem Eindruck aus 50 km Umkreis zu kommen. Ausnahme: bei den Siemensstipendiaten ist ein süddeutscher (fränkischer?) Akzent zu hören. Der Vorteil dieser Situation ist, dass man sich auch am Wochenende verabreden kann, Nachteil, dass ein “richtiges” Studentenleben nicht so wirklich stattfindet.

Das nächste Problem bestand in der Zusammenstellung der Übungsgruppe. Bereits nach den ersten Vorlesungen und zahlreichen Tipps wurde uns klar, dass wir das Studium kaum alleine bewältigen können. Also fingen wir an eine “allübergreifende Übungsgruppe” zu bilden. Da es Aufgrund der vorher eher spontan eingetragenen Gruppen sehr viele Überschneidungen und kaum gemeinsame freie Zeit gab, begannen wir damit uns von diversen Übungsgruppen wieder abzumelden, um sie zum Teil zusammen zu belegen und so mehr Zeit zum “gemeinsamen Lernen” hatten.
Bei dieser Anmeldung machte es uns besonders zu schaffen, dass bei einer der drei geplanten Module die Übungsgruppenanmeldung nur über Koala und nicht wie in den anderen über Paul, akzeptiert wurde, sodass der Stundenplan in Paul eben diese Veranstaltung nicht korrekt anzeigte, da die gewählte Gruppe dort bereits “voll” war und deshalb ein Wechsel in die in Koala angemeldete Gruppe nicht mehr möglich war. Doch auch diese Herausforderung meisterten wir schließlich, indem wir uns für Informatiker untypisch verhielten und den Stundenplan schließlich mit den völlig veralteten Utensilien Namens Zettel und Stift aufzeichneten.

Nach dem Anlaufen des Vorlesungsbetriebes wurden die ersten Hausaufgaben präsentiert. Wie sich später herausstellte eine üble Falle. Diese Aufgaben waren machbar und das mit nicht allzu großem zeitlichen Aufwand. Schon damals war absehbar, dass die Heimübungszettel einer Vorlesung deutlich anspruchsvoller und zeitintensiver werden sollten als die der anderen.


Denn dann kamen die zweiten Hausaufgaben. Und die Dritten. Und immer mehr. Um es kurz zu machen: Inzwischen sind viele Mitstudenten aus dem Hausaufgabenprogramm ausgestiegen. Nicht in allen Fächern, aber wir möchten hier nicht einzelne Fächer hervorheben. Der Frustlevel ist deutlich fühlbar. Ich bezweifle auch, ob das Verschieben des Lernens auf die Weihnachtszeit, die Zeit kurz vor den Klausuren, kurz auf “später”, zielführend ist. Wahrscheinlich heißt das eher “neues Semester, neues Glück”, wir nehmen uns selbst da auch nicht aus. Mal schauen, was kommt.
Insbesondere da uns noch nicht klar ist, wie man sich freiwillig während einer doch eher drögen und theoretischen Vorlesung in der sich der Großteil auf der Tafel abspielt, freiwillig in die letzte Reihe setzen kann. Unsere Augenärzte haben uns bestätigt, dass wir keine Sehschwäche haben und so fragen wir uns, ob Einige nicht ein Fernglas mitbringen, um den teilweise doch recht kleinen Tafelanschrieb entziffern zu können.

Zu den für uns wichtigsten Personen in der Uni gehören neben den Professoren, Kommilitonen und Fachschaftlern zweifellos die Tutoren, die sich wöchentlich darum bemühen uns den Stoff der Vorlesungen einzutrichtern. Sei es durch knallharten Frontalunterricht, kompletter Einzelarbeit mit anschließender Ergebnisüberprüfung oder einer Mischung aus beidem - ohne diese Personen würden wir vermutlich noch weniger verstehen und an unseren Heimübungszetteln komplett verzweifeln. So ist uns die Hoffnungen gleich im ersten Anlauf die Klausurphase erfolgreich zu überstehen noch nicht ganz erloschen.

Ein Punkt der uns ein wenig stört sind die Diskrepanzen im Aufwand für Module mit derselben ECTS-Punktzahl. Während einige der Vorlesungen bereits “vor Ort” verstanden werden, benötigen einige deutlich mehr Aufwand und Nacharbeitungszeit. Es gab bereits zahlreiche Beschwerden (auch während der Übungsgruppe), die bisher noch nichts bewirkt haben. Wir hoffen, dass sich dies in Zukunft ändern wird und der Stoff in entsprechenden Vorlesungen ein wenig gekürzt wird, oder aber die dort erreichte Punktzahl dem tatsächlichen Aufwand angepasst wird.

Resümee
Studieren macht Spaß. Es ist sehr schön, die allermeisten Mitstudenten kennenlernen zu dürfen. Allerdings wird das Studium nach sehr kurzer Zeit auch sehr anstrengend und aufwendig. Andererseits hatten wir in vielen Veranstaltungen auch schon Aha-Erlebnisse, wie “so geht das also”, “darum macht man das so” oder auch “das habe ich mich auch schon mal gefragt”. Analysis ist eine extrem sportliche Herausforderung, Modellierung öffnet neue Horizonte, GP1 gibt das Handwerkszeug. Es kann so weiter gehen.